Wer hat hier den Schaden gelaufen?

Tagebuch des Feldschütz

Im Gemeindearchiv gibt es ein Büchlein: Das Tagebuch des Feldschützen. Es beginnt im Jahr 1909 und endet 1924.

Hieraus ein paar kleine ``zeitgenössischen`` Anzeigen:

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„Jakob K. ist im äußeren Lauch der Länge nach über den Acker von Hermann F. gefahren – (Strafanzeige am 24.12.09 erledigt)“

 

„Vorgenannte Personen haben die ortspolizeiliche Ordnung wegen Einsperren der Tauben vom 18. bis 31. Juli 1910 nicht beachtet“

 

„Friedrich L. seine Gänse sind den 9. August 1910 in dem Acker des Karl B. Schaden gelaufen, haben ihm sein Kraut abgefressen.“ (Feldsch. Brunner).

 

„Nachstehende Personen sind am 28. Juni 1911 über die Wiesen und Kleeäcker im Beckenhölzle gelaufen : Eugen K. 14 J. alt, August S., 15 J. alt, Johann A., 16 J. alt, Karl Sch. 15 J. alt (sämtlich von Oberheinrieth).

 

Zweitens haben vorgenannte Personen dem Hermann W. Kirschen gestohlen im Föhrenberg.“ (Feldschütz Fischer)

 

„Den 12. Sept. 1911 hat Wolf H. durch den Fuhrmann Gottlieb F. auf unerlaubter Stelle ober den Althälden 2 Wägen Kies geholt ohne Anweisung des Feldschützen“. (Feldschütz Fischer)

 

„Auf Antrag des Karl M. j. mache ich die Anzeige, dass am 6. August 1920 dem Jacob K. seine 2 Hühner in dem Grundstück des Karl M. j. im Lauch Schaden gelaufen sind, haben den Haber (Hafer) verdorben.“

 

Immer wieder sind in den 25 Jahren, die dieses Büchlein dokumentiert, Gänse, Enten oder Hühner in fremden Grundstücken „Schaden gelaufen“ und haben irgendetwas gefressen. Immer wieder taucht auch in den Anzeigen auf, dass Bauern oder Weingärtner unerlaubt über Nachbargrundstücke gefahren sind oder dort gewendet haben, woraus dann ebenfalls Schäden entstanden sind.

Dazu muss man wissen, dass früher die Äcker noch nicht einzeln durch Feldwege erschlossen waren, es gab sogenannte „Zellge“, das waren Flurstücke, die meist mit gleicher Frucht bebaut wurden, so daß Saat und Ernte gleichzeitig erfolgen konnten, dadurch war es möglich, dass auf den hinteren Äckern zuerst gesät und zuletzt geerntet wurde, man konnte dann die vorderen Äcker jeweils überfahren, ohne Schaden zu verursachen. Das war natürlich anders, wenn zwischendurch ein Bauer auf seinen Acker wollte, und den benachbarten überfahren hat.